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Regiogeld ergänzt Euro Rudi Eichenlaub lebte zwanzig Jahre im Pfarrdienst in peruanischen Indio-Gemeinden, Jetzt wohnt er zusammen mit seiner Frau und mit Freunden in der gemeinsam aufgebauten ökumenisch-solidarischen Gemeinschaft "Lebenshaus" in der Nähe von Freiburg. Das Lebenshaus bietet Platz für "Mitlebende auf Zeit", Menschen in Krisen, denen die Gemeinschaft und Tauschkontakte nach außen weiterhelfen. Ein aktiver und sehr flexibler Tauschring und seit 2004 auch Regiogeld "Markgräfler" sind mit seiner Initiative in Schwung gekommen. Sein nächstes Projekt ist es, im Alter mit seiner Frau in Freiburg als Alternative Wohninitiative "AWI" - in Hausgemeinschaften die Betreuung, die möglicherweise einmal nötig wird, gemeinschaftlich zu organisieren. Tauschen als Lernprozess Den Segen der Tauschwirtschaft habe ich in Peru am eigenen Leib erfahren. Ich konnte wochenlang zu Fuß unterwegs sein, ohne Geld und Gepäck, und es fehlte mir an nichts. Es war ein Geben und Nehmen. Dieses Prinzip der "Reciprocidad", der Gegenseitigkeit, also der Achtsamkeit darauf, dass Geben und Nehmen im Gleichgewicht sind, wurde durch das von den Spaniern eingeführte Geldsystem weitgehend zerstört. Zum Glück gibt es aber bis jetzt Regeln, die vor allem dort, wo der globalisierte Markt nicht durchgreift, noch eingehalten werden. Ein Tagelohn, ähnlich wie der Denar in der Bibel, entspricht dann einer immer gleichen Menge von Produkten, wohl mit dem Hintergrund, dass eine Familie sich davon jeden Tag ernähren kann. Seit 2001 konnten wir an mehreren Ortschaften in den nördlichen Anden Perus mit Saatgutbanken und einer Art Zweitwährung "PEON" (Tagelohn) die Tauschpraxis beleben. Inzwischen bewährt sich diese neue Praxis und breitet sich aus. Aber es ist ein Prozess, für den man unendlich viel Geduld braucht. Erfahrungen, die aus dem Handeln entstehen Ich bin jetzt nicht mehr in Peru. Seit fast zehn Jahren wohne ich im Markgräflerland, südlich von Freiburg, im Dreiländereck. Hier kam ich mit vielen Menschen in Kontakt, die so wie ich nach einer Möglichkeit suchen, den örtlichen Austausch zu fördern und durch nachbarschaftliche Kontakte vor Ort unsere ständig wachsenden sozialen Probleme zu lösen. Es gibt inzwischen mehrere miteinander vernetzte Tauschringe. Es gibt seit Sommer 2004 ein Regiogeld, "Markgräfler" genannt, das vor allem von Frauen begeistert angenommen wurde und sich als lokale Zweitwährung zu bewähren beginnt. Ab 2005 werden wir an einigen Orten mit dem Verein "Helfen und Unterstützen von Mensch zu Mensch" die Aktionen bündeln, mit dem Ziel, ein tragendes Netz zu schaffen zwischen den Familien, die Hilfe brauchen und sie nicht mehr bezahlen können und den Menschen, für die es keine ausreichende Erwerbsarbeit mehr gibt. Um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: Ich habe keine Erfolgsgeschichte zu bieten. Wir sind alle auf dem Weg. Vielleicht gibt es noch gar keinen Weg, sondern wir schaffen den Weg erst beim Gehen. Es genügt auch nicht, Ideen zu haben, was alles möglich ist. Nach meiner Erfahrung kommt man wirklich weiter nur durch konkrete Handlungsschritte. |